24.04.2017

Telefonie - Das unverzichtbare Kommunikationsmittel

Heute ist Kommunikation im beruflichen sowie im privaten Umfeld ohne Telefonie kaum noch vorstellbar. Die drei großen Entwicklungsschritte der Fernsprechübertragung sind die analoge Telefonie, die ISDN-Telefonie und nun die IP-Telefonie. Früher war das Telefonieren nur über das Festnetz möglich, heute verwendet die Vielzahl der Österreicher ein Mobiltelefon, 85% der österreichischen Haushalte sind mit einem Anschluss zum Internet versorgt. Mit der zunehmenden Verbreitung von Breitbandinternetschlüssen, wird sich VoIP Telefonie noch weiter verbreiten und für noch mehr Unternehmen und Privatpersonen zum Alltag werden.

Die analoge Telefonie in den Kinderschuhen

Die Geschichte der Telefonie beginnt bereits 1861 mit Johann Philipp Reis, der als erster eine funktionierende, elektrische Fernsprechverbindung aufbaute. Der Satz mit eindrucksvoller Bedeutung, der bei der ersten öffentlichen Präsentation des Telephons zum Einsatz kam, war: "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat." Diese deutsche Erfindung nahm auch Alexander Graham Bell zum Anlass um an der Entwicklung eines Telefons weiter zu forschen. Bell konnte 1881 ein praktisch einsetzbares Telefongerät vorweisen, für welches er sich bereits im Vorhinein die Patentrechte sichern konnte. 1887 gründete Bell die Bell Telephone Company, welche die Vereinigten Staaten von Amerika mit einem Fernsprechnetz versorgen sollte. Heute ist dieses Unternehmen unter anderem Namen aktiv und einer der weltgrößten Telefonkonzerne: American Telephone and Telegraph Company (AT&T). Der erste transkontinentale Telefonanruf wurde im Jänner 1915 getätigt. Für die Öffentlichkeit zugänglich war die transkontinentale telefonische Verbindung erst 1927.

In Österreich nahm im Jahr 1881 die "Wiener Privat-Telegraphen-Gesellschaft" den Betrieb von Telefonanlagen auf. Die Reichweite war damals noch auf einen Umfang von 15km stark beschränkt. Bereits Ende des Jahres wurde die erste Telefonzentrale Österreichs eröffnet. Zu Beginn wurden die Telefongespräche von Hand durch das "Fräulein vom Amt" vermittelt, die durch Stecken von Metallstöpseln die Gesprächspartner miteinander verband. Bis 1883 waren bereits Städte wie Graz, Prag und Triest an das Telefonnetz angebunden. Im Jahr 1910 wurden die ersten Telefone mit Wählscheibe und Hörer auf den Markt gebracht, mit denen es möglich war, selbst zu wählen. Die "Fräuleins vom Amt" mussten nunmehr die Telefonate über die Ortsgrenze hinaus verbunden werden. Bald wurden Kabel unterirdisch verlegt und reichten 1921 von Wien nach St. Pölten, weiter nach Linz, von da aus nach Innsbruck und weiter in die Schweiz bzw. nach München.

Im Fachjargon hat sich für die analoge Telefonie die ironische Abkürzung POTS etabliert, welche für "plain old telephone service", also quasi der gute alte Telefondienst, steht. POTS setzte sich ursprünglich aus "Post Office Telephone Service" zusammen. Bedeutungsleich dafür wurde auch PSTN ("Public switched telephone network", also öffentliche Telefonievermittlungsnetze) verwendet, welches jedoch auch auf die neuen digitalisierten Telefonnetzwerke umfassen kann. Durch die Einführung des Kürzels POTS kann die analoge Telefonie von der digitalisierten ISDN-Telefonie (PSTN) unterschieden werden.

ISDN-Telefonie

Die Digitalisierung begann in Österreich im Jahre 1978 durch die Post- und Telegraphenverwaltung (PTV). Ab 1986 wurde das elektronische System flächendeckend eingesetzt, und bis 1999 wurde das gesamte österreichische Telefonnetz digitalisiert. Der Hauptunterschied zum analogen Festnetzanschluss liegt in der digitalen Übertragung zum Endgerät. Das "Integrated Services Digital Network" (ISDN) ist ein digitales Telekommunikationsnetz und fasst Sprache, Daten, Text und Bilder zusammen und überträgt sie über eine Leitung in digitalisierter Form. Verschiedene Endgeräte können über dieselbe ISDN-Leitung genutzt werden, damit für unterschiedliche Telekommunikationsdienste keine separaten Leitungen und Empfangsgeräte benötigen werden. Zu den ISDN Diensten gehört beispielsweise die Telefonie, das Telefax, aber auch ein Bildschirmtext oder die Bildkommunikation.

Durch die Ablösung von analoger Telefonie durch ISDN können die Leitungen für mehrere Dienste gleichzeitig genutzt werden. So kann während eines Telefonanrufes ein Fax gesendet oder im Internet gesurft werden. Auch die Qualität konnte sich im Vergleich zu analoger Telefonie verbessern. Signale können verlustfrei übertragen werden, das in der analogen Telefonie verstärkte Rauschen wird in der ISDN-Telefonie gemindert. Auch die Datenübertragungen sind schneller, weil die Daten direkt über das Netz vermittelt werden.

IP-Telefonie (VoIP)

Heute ist die IP-Telefonie, die auch Voice over IP (VoIP) oder Cloud-Telefonie genannt wird, in aller Munde. Die IP-Telefonie ist der Oberbegriff für paketvermittelte Telefonie. Die für das Telefonieren wichtigen Informationen wie Sprache und Daten über den Aufbau der Verbindung werden über ein Datennetz übertragen. Als Endgerät können die Nutzer Computer, spezielle IP-Telefonendgeräte oder klassische Telefone mit VoIP Adapter nutzen. VoIP hat den Vorteil, dass es wesentlich ressourcenschonender mit den Übertragungsmedien umgeht. In Kombination mit einer Breitbandinternetverbindung lassen sich bedeutend mehr Sprachverbindungen realisieren, als das bei der klassischen Nutzung von Telefonleitungen möglich ist. Der größte Unterschied zur ISDN-Telefonie ist die hohe Geschwindigkeit der Breitbandverbindung. Während bei ISDN-Anschlüssen eine Erweiterung oder Ergänzung kaum möglich ist, stellt dies bei der Internettelefonie kein Problem dar. Auch eine stark verbesserte Sprachqualität ist im Vergleich zur ISDN-Telefonie möglich.

VoIP ist die Zukunft der Telekommunikation. Ähnlich wie die analoge Telefonie ersetzt wurde, wird auch die IP-Telefonie in Zukunft die ISDN-Telefonie ablösen. Die Geschichte der Telefonie ist somit also wieder um ein Kapitel länger geworden.